German

Catching noises:

April issue

 

Mein allererster Blogeintrag hat im Prinzip schon damit angefangen, bloß hatte das noch keinen speziellen Namen und galt keiner fortlaufenden Serie. Unter der Rubrik Catching noises werde ich zukünftig in unregelmäßigen Abständen eine möglichst kompakte Playlist zusammenstellen, die für mein Befinden den Sound gut wiedergibt, der einen bestimmten Zeitraum, einen Anlass, einen Moment, ein Ereignis oder Thema bei mir charakterisiert hat.

 

Grundsätzlich bin ich kein Freund von Musik Rezensionen, besonders nicht von welchen, die sich mit unveröffentlichtem Material beschäftigen und am besten nicht einmal mit Snippets oder irgendwelchem anderen Audiomaterial, mit dem ich mir selber einen Eindruck von der Musik machen könnte, ausgestattet sind. Was bringt es mir, darüber zu lesen, dass eine Platte, die in sechs Monaten erst erscheint, besonders scheiße oder gut ist, wenn ich davon selber keinen einzigen Ton hören darf um mir selber ein Bild davon zu machen? Und mal so ganz nebenbei gefragt: Wer sind eigentlich diese Menschen, die im iTunes Store unveröffentlichte Alben bewerten, ohne dass sie je etwas davon hören konnten?

Ich möchte hier also gar keine hochkritische Fachsimpelei loswerden, sondern bloß meine Top 10 Tracks teilen, die es mir wert sind, und vielleicht kurz meinen Senf dazu geben, weshalb ich ihren Klang so toll finde oder warum diese Werke auf mich eine gewisse Faszination ausüben.

 

Lange Rede kurzer Sinn: Fangen wir also jetzt, Mitte Mai, mit einem Rückblick auf meinen April Sound an:

 

 

Nach unserem Um- und Zusammenzug sind Lydia und ich auf jeden Fall endlich gut in der Wohnung angekommen. Hier lässt es sich wunderbar arbeiten und entspannen. Das braucht natürlich auch alles den richtigen Soundtrack.

1

Fred P.

– A Walk Threw Soho

Fred Peterskin aka Fred P. hat schon vor 4 Monaten ein Snippet für seine zweite The Incredible Adventures Of Captain P LP auf seiner Soundcloud Page als Black Jazz Consortium hochgeladen. Der Longplayer hört außerdem auf den Zunahmen Escapism und thematisiert damit kritisch die Herrschaft der Smartphones und Social Media Welt. – Interessant, dass „EDM“ heute noch so konzeptionell und gesellschaftskritisch sein kann.

Veröffentlicht wurde das gute Stück Ende März. Hier geht’s jetzt allerdings nicht um seine neue LP, sondern die alte Kultplatte.

 

A Walk Threw Soho findet man bloß auf der CD Version. Der Track ist sehr jazzlastig, toller Downtempo Beat mit klassischen Snares und einem gesampleten, zarten Rhodes-Geklimper. – Kurzum: Eigentlich alles, was man für einen lockeren Groove im Wohnzimmer braucht.

Leider ist das gute Stück mit dreieinhalb Minuten auch schon viel früher zu Ende als einem lieb ist.

Sowieso ist das ganze Album sehr zu empfehlen wenn man warmen deepen Fred P. House gern hat. Mindestens genauso gut ist auch seine neue Platte.

Kurz davor kam auch eine weitere LP als FP-Oner von ihm raus. Gute House Longplayer von feinfühligen Leuten wie Fred P sind definitiv immer einen Vinyl-Kauf wert.

Der Hamburger Produzent war mir bis vor ein oder zwei Wochen nie ein fester Begriff. Kurzfassung der Geschichte, wie ich drauf kam: Lydia tritt am 8. Juni beim Darmstädter Studentslam an der h_da als Ehrengast auf und ist dazu ganz plakativ im aktuellen P-Magazin abgedruckt.

In dem Magazin finden sich auch diverse Konzert Empfehlungen, unter denen auch der Darmstädter Gig von Slowy & 12Vince zu finden ist, die mir Lydia gleich mal wärmstens ans Herz gelegt hat. Die Hamburger Jungs haben vor kurzem ihr neues Album Undercover Blues rausgebracht, angehört habe ich mir aber vor allem alte Sachen. Deutsche Lyrics finde ich meistens sehr schwierig und selten wirklich gut, Slowy scheint da aber einer von den guten zu sein und 12Vince mischt erstklassig gesamplete Hip-Hop Beats mit verdammt lässigen Jazz-Elementen. Pay Hommage ist ein gutes Beispiel für seinen laidback Sound.

Im Nachhinein habe ich dann beim Durchforsten meiner Apple Music Bibliothek allerdings doch noch das Album Dialog gefunden, das Slowy & 12 Vince zusammen mit FloFilz aufgenommen haben. Das hatte ich damals wegen letzterem geladen, empfohlen hat mir den aber auch – Überraschung – Lydia.

2

12Vince

– Pay Hommage

3

Chez Damier feat. Ron Trent

– Morning Factory

Viel braucht man hier gar nicht sagen. Feinster Chigaco House von zwei der größten House-Pioniere unserer Zeit. Im Februar erschien ein Sampler auf Rush Hour als Hommage an das Kultlabel Prescription, dass Chez Damier und Ron Trent in den 90ern gegründet haben. Hier finden sich etliche House Klassiker, größtenteils von den beiden selbst produziert. Das hat mich dadrauf gebracht, mal meine alten Ron Trent und Chez Damier Platten raus zu kramen und Morning Factory blieb hier bei mir für den Moment hängen, da ich den Track früher in meinen ersten Clubnächten sehr gerne im Warm-up gespielt habe.

4

Jan Jelinek

– Rock In The Video Age

Jan Jelinek habe ich auch vor kurzem erstmalig entdeckt. Seine beiden Longplayer Kosmischer Pitch und Loop-Finding-Jazz-Records sind auf jeden Fall empfehlenswert und bieten mindestens eine gute Sounduntermahlung für (kreatives?) Arbeiten.

Er scheint hauptsächlich mit aufwending bearbeiteten Samples zu spielen, was seine Arbeiten sehr speziel, sehr interessant und relativ einzigartig machen. Erinnert teilweise an eine Mischung aus Brian Eno, Minilog und Dominik Eulberg.

5

De La Soul feat. Snoop Dogg

– Pain

Das legendäre Hip-Hop Trio fand ich schon immer sehr sympathisch. Die Jungs strahlen einfach eine natürliche, witzige Coolness aus, die sich vor allem auch von dem ganzen flachen "Wer-hat-den-Größten"-Battle-(T)Rap abhebt. Letztes Jahr erschien ihr achtes Studio Album De La Soul and the anonymous nobody. Hier ist auch Pain drauf, der zusammen mit D–O–double-G sehr lässig abgerundet wird. Leider besitze ich keine einzige DLS Schallplatte sondern bloß ein paar alte CDs von meinem Vater. — Die natürlich auch ihren Dienst leisten. Die neuen Sachen befinden sich leider bloß digital auf meiner Festplatte.

6

Taron-Trekka

– Segelboot

Taron-Trekka sind mir schon seit etlichen Jahren ein Begriff, ich habe eine einzige Single-EP von den Jungs. — Radio Fligg von 2009.

Seither habe ich sie nicht wirklich weiter verfolgt bis ich auf ihren aktuellen Longplayer Magic Edition gestoßen bin, der auf deren Heimatlabel Freude am Tanzen veröffentlicht wurde. Seither haben die beiden um die 20 Single-EPs veröffentlicht, 2016 erschien nochmal eine Art Best-of-Album auf FAD unter dem Namen Hidden Treasures (die ja eigentlich gar nicht wirklich "hidden" waren).

Segelboot ist jedenfalls auf der neuen LP und gewohnt cool gesampelter House und fügt sich gut irgendwo zwischen Hip-Hop und Jazz als House-Repräsentant in einer Playlist ein.

7

Iron Curtis

– Collision

Iron Curtis ist ein wahnsinnig vielseitiger Produzent, bei dem längst nicht alles four-to-the-floor sein muss.

Sein Studioalbum Soft White Waist Band von 2012 bietet alles von freudig bis traurig, von Party bis Cooldown. Seine neueste EP Maple ist jetzt auf einem meiner Lieblingslabels erschienen: Office Recordings.

Das Label bringt nicht nur immer zu verlässlich gutem Sound auch tolle Artworks mit sich, sondern beheimatet auch noch einen meiner Lieblingsproduzenten aus der Housesparte: Baaz.

Collision ist auf der neuen Office Recordings Platte und ist irgendwas zwischen hypnotischem Ambient und dann doch wieder am Ende etwas Electronic und House.

8

Frank Ocean

– Lens

Frank Ocean. Wo fange ich da an? Kennt man ja. Künstlerisch relativ hohes niveau für einen R&B/Hip-Hop Sänger, sehr eindringliche Stimme, die sich abhebt von der Masse. Einer der wenigen, der auch über seine Schwächen singt, einer dessen Texte überhaupt etwas mehr Tiefe besitzen.

Sein Debut Album Channel Orange fand ich so gut, dass ich es meiner Schwester mal zum Geburtstag auf Platte geschenkt habe. Sein zweites Album Blonde war sehr speziell. Aber auch sehr gut.

Dann kam vor kurzem die Chanel-Single raus, die auch super war und jetzt ganz neu Lens. Der Typ ist einfach gut, was soll ich noch sagen?

9

Kendrick Lamar

– Fear

Wo ich doch grade bei Musikern bin, die Texte mit etwas mehr Tiefe schreiben und auch ihre eigenen Schwächen thematisieren — Kendrick Lamar ist auch so einer. Und der rappt sogar. Kendrick Lamar ist mittlerweile so groß, dass ich vermutlich nicht viel über ihn schreiben muss. Oder sollte. Good kid, m.A.A.d City war ja ganz groß. Man hat aber auch schon ganz schön viele Trap-High-Hats durchgehört. Die To Pimp A Butterfly LP war dann schon wieder etwas klassischer mit den Beats. DAMN ist sein neues Album, dass da einen kreativen Mix findet. Auch hier sind die Texte wieder sehr ehrlich, sehr persönlich, künstlerisch wertvoll.

Es gibt hier gar keinen besten Track, weil alle sehr gut sind. Fear ist aber einer, den ich thematisch besonders interessant finde. Außerdem passt der Klang sehr gut in den Kontext dieser Playlist.

I'm talkin' fear, fear of losin' creativity...

– Kendrick Lamar

10

Stan Forebee

– Look Back

Last but not least die Nummer 10 aus meiner April Liste. Das Internet kennt Stan Forebee nicht wirklich gut. Ebenso wie ich.

Auf seiner Bandcamp oder Soundcloud Seite schreibt er bloß "I make music". — Wusste ich nicht, danke für die Info.

Die Musik, die er macht, ist allerdings echt nicht schlecht. Irgendwas zwischen Jazz, Downtempo und Hip-Hop. Digital gesampelt auf jeden Fall. Damit hat er zwar nicht das Rad neu erfunden, aber er macht seine Sache gut.

Seine Musik scheint es aber nur digital zu geben. Neueste Hervorkommnisse seiner Arbeit als Musiker sind die 4 Tracks der Silhouttes EP, von denen einer Look Back ist.

Die komplette Playlist kann natürlich auch vollständig auf Apple Music angehört werden!

Blog

2017 / 05 / 15

FP-Oner – 6

Bluestaeb – Rodalquilar